Fröbelschulschüler
Jahrgang 1948 / 49

 
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  LUDWIG KOLB ...  
 
 
KLASSENTREFFEN vom 06.10.2012 ...

Ein wenig gespannt war ich schon, als ich zum Treffpunkt zur Fröbelschule fuhr, zudem war ich ein wenig spät, denn wir hatten uns beim Frühstück bei meiner Schwester doch noch ziemlich verquatscht. Als ich dann eintraf, herrschte schon reges Treiben auf dem Schulplatz. Es wurde fotografiert, palavert und das alles mit großem Hallo.

Das waren sie also, die Schulkameraden von damals, heute nach 50 Jahren! Schön - und ein breites Grinsen machte sich in mir breit. Hände schüttelnd, sich auf die Schulter klopfend und drückend begrüßten wir uns.
Kaum wieder zu erkennen der Simon Hiebl, mit großer professionaler Statur, der trotz Erkrankung und Dank Hilfe seiner Frau kommen konnte. Und da waren noch der Rudi Feilhauer, wie schon damals ein wenig in sich gekehrt, und verschmitzt schmunzelnd. Der vorlaute Peter Barczyk mit seinem losen Mundwerk, der sich auch prompt gleich über mein Auto-chen lustig machte: „Wie ich denn mit dem Auto hier her gekommen sei?“ (Ganz einfach, mit 5,6 Ltr. pro 100 km). Natürlich war auch unser Einserschüler Werner Kunze mit von der Partie, ebenso das kleine Leckermaul Peter Lippert, der ziemlich gut rechnen konnte und manchmal Pausenbrote belegt mit Schokolade verfrühstückte. Und da standen noch schlank und rank wie ehedem der Helmut Jahn und Gerhard Hutter, ein wenig grauer Haarwuchs im Bart und auf dem Haupte - nach wie vor auffällig durch ihren trockenen unverhofften Humor und ihrer redlichen und treuen Natur. Fast nicht wieder zu erkennen war der Rudi Strauß, mein ehemaliger Sitznachbar in der 8. Klasse, der sich vom braven Buben zum strammen Manager gemausert hat. Nicht zuletzt natürlich noch mein lieber Schulfreund Walter Grötzner, der das Treffen mit großem Einsatz und viel Umsicht vorbereitet und somit wirklich erst ermöglicht hat.

Da standen wir also quirlig und schwätzend und es dauerte eine geraume Weile bis wir zum Tagesprogramm, Begrüßung mit Sekt und Brause und zum Gruppenfoto vor der Schule antreten konnten. Walter hat das alles sehr schön vorbereitet und im Kofferraum seines Autos eine Sekt- und Kaffeebar eingerichtet und dafür extra ein Tischchen mit weißblauem Rautendekor gebastelt und montiert. Darauf standen nun die herrlich selbstgebackenen Kuchen von seiner Frau Ulrike für den Schulausflug, fünf gekühlte Sektflaschen samt Flöten und alles was für diesen Tag noch benötigt wurde. Mit einem Wort, ein kulinarischer Augenschmaus.

Etwas verspätet in der Zeit ging es dann mit dem Auto  zum Gasthof Settele. Dort angekommen gab es gleich wieder ein großes Hallo, denn unterm weißblauen Himmel im sonnigen Biergarten saß - Zigarette rauchend und ein Spezi trinkend - unser Reinhard Stockhammer. Braungebrannt und mit dem gegerbten Gesicht des Hochseefischers kam er flugs aus dem abenteuerlichen Panama zu unserem Klassentreffen. Stocki redete wie ein Buch und konnte gar nicht mehr aufhören, Hemingway lebensnah! Man sollte es nicht für möglich halten, unverhofft tauchte auch noch der Werner Erbse auf, im gepflegten Outfit durch und durch der Sonnyboy von früher und mittlerweile erfolgreich bei einem führenden Unternehmen tätig.

Im Gasthof Settele hatten wir das „St. Georgs Stüberl“ reserviert und das war eine gute Wahl! Dort wurden wir freundlich von Herrn Berthold begrüßt der sich für all unsere Belange sehr verständnisvoll und entgegenkommend zeigte. An einem Extratisch platzierten wir unser Material, denn es stand ja noch die erste Unterrichtsstunde an. Ferner befestigten wir an der Stirnseite und Türe des Stüberls noch die großen Poster von unseren Klassenfotos aus der 1. und 3. Klasse, den hübsch gedeckten Tisch dekorierten wir zudem noch mit unseren Tischkarten.

Wie schon beim Sektempfang an der Fröbelschule konnte erst nach mehrmaligem Aufruf mit der ersten Schulstunde begonnen werden, denn die Kameraden bewegten sich ungeniert schwätzend und trinkend durch den Biergarten und die Lokalität. Nach einer kleinen Einführung mit dem Hinweis, dass wir uns teils tatsächlich seit 50 Jahren nicht mehr gesehen haben und, dass unsere gemeinsame Schulzeit doch etwas sehr Besonderes war, zum Teil lag das an den damaligen bescheidenen Verhältnissen und auch an der Zeitspanne von acht Jahren die wir zusammen verbrachten, berichteten und erzählten wir aus unserem Leben von und nach der Schulzeit und wie es dem Einzelnen so ergangen ist. Zu erzählen gab es viel, Witziges, Erstaunliches, Überraschendes aber auch Trauriges, wie den Tod unserer Mitschüler: Gerhard Bosch, Isidor Färber, Heinz Klötzl, Herbert Salvamoser, Emil Schmid und Otto Spitzl.

In der anschließenden großen Pause gab es dann einen Mittagsschmaus beim Settele a la Karte. Gratis, weil wir so nette Menschen und auch sonst recht ordentlich geblieben sind. Dem Sponsor sei Dank und der Küche vom Settele ein großes Lob, das Essen war prima!

Gerade als wir uns für den Schulausflug fertig machten, die Rucksäcke waren schon gepackt, Werner Kunze und Simon Hiebl hatten sich schon verabschiedet, tanzte der Charly Kinzer an. Kaum zu glauben, jetzt schlug´s 13 mit großem Hallo im Settele´s Biergarten. Charly war schon immer eine besondere Nummer, nun stand er vor uns mit blütenweißem, besticktem Hemd, schwarzer Hose und feinen Krokoschuhen, gut aussehend  wie ein Entertainer, jedoch ein wenig unpassend für die Wildnis im Haunstetter Wald. Mit Rücksicht auf sein fragiles Schuhwerk beschlossen wir unsere Zielvorgaben zu ändern und erstmal nur bis zur Brunnenbachbrücke am Waldrand zu wandern, auch könnten wir uns dort ja noch mit einem Picknick stärken. Walter fuhr mit dem Auto schon mal voraus und wir bewegten uns mehrreihig und unentwegt gesprächig durch die Kleingärten in Richtung Brunnenbach.
Dort angekommen erwartete uns schon Walter. Er hatte den Wagen neben einer Parkbank abgestellt und diese auch noch mit einer Decke sitzfreundlich gepolstert. Mit Blick auf die geöffnete Heckklappe und die Kuchenbar eröffneten wir fraglos das Picknick. Nicht dass wir etwa hungrig waren, aber frisch gebrühter Kaffee, allerfeinster Guggelhupf und Käsekuchen ließen uns gar keine andere Wahl. Und das in der freien Natur, es war einfach herrlich und köstlich dazu! Erst als uns Spaziergänger auf einen qualmenden Papierkorb hinwiesen, verursacht durch eine brennende Zigarette, bemerkten wir die große Verwunderung, die unsere heitere Picknick-Party bei den Passanten auslöste.
An dieser Stelle des Brunnenbachs waren wir oft als kleine Kinder in Begleitung unserer Eltern baden. Auch hat hier Walter in späteren Jahren die Forellen von Hand gefangen, vom Uferrand aus und mit seiner besonderen Fangtechnik. Natürlich sollte er uns das wieder zeigen, aber er wollte nicht so recht, da der Bachlauf mittlerweile in Holz eingefasst und zudem keine Forellen zu sehen waren. In Erinnerung an unsere Schulausflüge spazierten wir dann durch den Haunstetter Wald und als es Unstimmigkeiten bei den Namen der vielen Bachläufe gab, konnte das Rudolf Strauß eindrucksvoll richtig stellen, sein profundes Wissen hierüber hat er sich nämlich in einem Seminar der Stadt Augsburg angeeignet. Da wir gut in der Zeit waren, nahmen wir den Rückweg entlang des Brunnenbachs und bogen dann ab durch das alte Haunstetten. Vorbei am Feuerwehrhaus und dem Bremhof, dessen Namen uns einfach nicht mehr einfallen wollte und erst durch nachhaltiges Fragen von Werner Erbse ermittelt wurde. Guter Dinge, sich an das ein oder andere Gebäude erinnernd - da hat doch die oder die gewohnt, so manche Liebschaft aus jungen Jahren wurde an- und ausgeplaudert, trafen wir dann wieder beim Gasthof Settele ein.

Mit einer deftigen Brotzeit in gepflegter Güte und gut temperiertem Weißbier oder anderem, manche brauchten gar einen Cappuccino, stärkten wir uns für die zweite Schulstunde, in der wir, anhand großformatiger Ausdrucke von Fotos aus dem alten Haunstetten uns an damals erinnerten oder zu erinnern versuchten. Hatte etwa die alte Straßenbahnlinie am Georg-Käs-Platz eine Wendeschleife, fuhr sie zweigleisig oder einfach nur wieder rückwärts vorwärts? Letzteres traf zu, da es bildhaft zu belegen war! Es wurden Bilder von der alten Schmiede, dem ehemaligen Pfarrhaus, dem alten Krankenhaus, der Waage, der Lokalbahn, von Martini, dem Gasthaus Grüner Baum, der alten Schule, der Messerschmittsiedlung und, und, und ... gezeigt und vielfältig kommentiert.

Es war schon weit nach Schulschluss, ab 20 Uhr war ja Nachsitzen angesagt, als sich die Reihen lichteten und spät, als ich mich von Gerhard Hutter als Letzten verabschiedete. So Gott will und Ihr wollt, dann bis zu unserem nächsten Treffen, dem 55. Jubiläum im Jahr 2017. Bis dahin Euch allen, alles GUTE !